Alles für die Gesundheit

Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Leber- und Gehirnentzündung, Bauchschmerzen, Darmverstopfung, innere und äußere Blutungen, Verwirrtheit, Durchfall; ja, all dies sind typische Reisekrankheiten, reist man ohne jeglichen Schutz nach Indien und achtet nicht auf dortige Sicherheitsstandards.  Um mir all diese fiesen Krankheiten zu ersparen – denn wirklich Lust darauf mir Typhus einzufangen, habe ich wahrlich nicht – war ich mehrere Male beim Tropeninstitut in Berlin und auch beim gemeinen Hausarzt, der untersuchen sollte, ob ich wirklich leistungsfähig genug bin ein Jahr meines Lebens am anderen Ende der Welt zu verbringen, ohne ernstlich zusammenzuklappen.

Hier ein paar kleine Geschichten von der – gut anderthalb Monate andauernden – „Gesundheitsreise“, die teilweise meine Abiturprüfungen gehörig durcheinander hätte bringen können:

Die Geschichte beginnt mit Geld. Genauer gesagt, mit 20 Euro, die ich dem Tropeninstitut überweise, damit dieses mir Informationen gibt, wogegen ich mich am besten impfen lassen sollte.

Die Antwort kommt schnell, neben dem den Standartimpfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Polio, Keuchhusten und Masern, sollte ich mich umgehend gegen Hepatitis B, Typhus, japanische Enzephalitis, Meningokokken und Tollwut impfen lassen. Ebenso seien Notfallmedikamente für Malaria und dem Denguefieber mitzunehmen.

„Puh“, denke ich mir. „Das wird ja ein fröhliches Impfen werden.“

Und das wird es tatsächlich. Wenige Tage später bin ich auf dem Weg ins „BRCT“, dem Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin in der Friedrichstraße. Ich bin total fasziniert vom schönen Ambiente, den netten Mitarbeitern und von den vielen Bildern an den Wänden. Total baff bin ich schließlich, als ich zwei Minuten nach meinem Kommen bereits aufgerufen und ins Arztzimmer geleitet werde, musste ich doch vor wenigen Tagen beim Hausarzt um die vierzig Minuten warten, nur um ein kurzes zwei-Minuten-Gespräch über kommende Termine mit dem Doktor zu führen. Das muss ich im BRCT auch, bin aber nicht dazu gezwungen vierzig Minuten gegen weiße Wände zu starren. Im Endeffekt darf ich drei Mal hierher kommen.

Wenig später bekomme ich die ersten Impfungen gegen Hepatitis B, Typhus und das erste Mal Tollwut. Ja, eine wirklich funktionierende Impfung gegen Tollwut brauch drei Anläufe und nach einem Jahr noch einen vierten. Dafür ist man dann ein Leben lang dagegen geimpft.

Als ich die Ärztin nach eventuellen Nebenwirkungen frage, erzählt diese mir, dass in den nächsten Tagen Grippesymptome auftreten können. Kurz zögere ich, denn in zwei Tagen schreibe ich mein Englisch-Abitur, schlucke meine Bedenken aber hinunter und lasse die Spritzen zu. Ein bisschen Grippe, wird mein Abi schon nicht gefährden, da bin ich hart im Nehmen. Beim Hinausgehen bekomme ich dann noch Reisetipps von der Sekretärin, die Indien anscheinend gar nicht so spannend findet, wie ich. Vielmehr müsste ich mal nach Japan, da seien auch weniger Menschen.

„Hmm“, denke ich mir. „ Beim nächsten Mal vielleicht.“

Die Grippesymptome bleiben die nächsten Tage aus ( welch Überraschung) und ich darf frisch und munter meine Klausur schreiben.

Bei jedem weiteren Besuch beim BRCT fühle ich mich ein Stück mehr willkommen. Einmal bin ich 10 Minuten zu früh da und komme tatsächlich fünf Minuten vor meinem eigentlichen Termin an die Reihe. Unglaublich aber wahr; ich schaffe es nie gelangweilt auf mein Handy zu schauen, geschweige denn mir Notizen für meine Blogeinträge zu machen, so schnell komme ich unter die Spritze. Jedoch wird mir dieser Komfort leider nicht nur aus Nächstenliebe geboten, denn schließlich werde ich im Gegenzug für die Impfungen rund 400 Euro da lassen müssen.

Statt Geld wird der Hausarzt von mir eine Blutprobe und konfuse Verwirrung bekommen.

Wie das geht? Passt auf.

Anfangs ist noch alles normal. Ich lasse mir Blut abnehmen (Die Arzthelferin sprüht das Desinfektionsspray leider auf eine raue, durch einen Mückenstick aufgeriebene Stelle in der Armbeuge was höllisch weh tut, aber wenigstens von der Nadel in meinem Arm ablenkt.), lasse eine Ultraschalluntersuchung von meinem Bauch machen – es ist etwas viel Luft drinnen, geschuldet durch möglichen Stress und den darf ich einen Tag vor der schweren Bio-Klausur auch haben – und darf mehrfach in ein Gerät pusten, um die Funktionalität meiner Lungen zu testen. Alles ist super.

Dann jedoch muss ich zum Leistungs-EKG. Ich werde auf eines dieser Fake-Fahrräder gesetzt, die man im Fitnessstudio zuhauf findet und werde mit einigen Schläuchen mit Saugnapf am Ende verbunden. Kurz komme ich mir vor, als würde mich ein Kraken umarmen. Nicht, dass mich schon irgendwann mal ein Kraken umarmt hätte, aber würde er es tun, dann würde es sich ganz genau so anfühlen.

Ich strampele, unter der Aufsicht des Doktors, los, soll meine Geschwindigkeit konstant in einem kleinen Intervall halten und mache das auch ganz vernünftig, bis ich dazu aufgefordert werde aufzuhören.

 

Ich werde nach draußen geschickt, kann im Augenwinkel gerade noch so die Worte „ABBRUCH WEGEN…bla bla bla“ auf dem Computerbildschirm lesen und setze mich erneut ins Wartezimmer. Beinahe bin ich mir sicher, dass ich wegen Bluthochdrucks dem Kraken entrissen wurde. Manchmal, wenn ich mir ein Blutdruckmessgerät ausborge, scheint mein Blutdruck verrückt zu spielen und ist entweder sehr hoch, oder konstant. Möglicherweise ist das in dieser Situation auch so, doch nichts da! Als ich zum Doktor gerufen werde, erzählt der mir nichts von Bluthochdruck, nein! Er erzählt mir von BlutTIEFdruck. Während des Laufens! Mir wird ein Graph, der wohl meinen Blutdruck darstellen soll, gezeigt. Anfangs klettert er beharrlich in die Höhe, schließlich bin ich zur der Zeit relativ schnell Fahrrad gefahren, dann jedoch stürzt er einfach so ins Bodenlose, sinkt tiefer als mein Normalwert und steigt erst nach dem Aufhören der Aktivität wieder an.

„Sehr merkwürdig!“ meint der Doktor. Ich stimme ihm zu. Jedoch belustigt mich dieser Vorfall mehr, als dass er mich beunruhigt. Anscheinend hat mein Körper ein wahres Talent Messgeräte zu verwirren, oder ist dazu fähig ewig zu laufen, ohne, dass er Herzrasen bekommt.

Ganz so euphorisch ist mein Arzt nicht und rät mir mit weiser Voraussicht einen Kardiologen aufzusuchen. Er sieht besorgt aus, wodurch ich schon ein wenig Bammel bekomme.

Einen halben Monat später sitze ich erneut in einem Wartezimmer des Virchow-Klinikums in Berlin. Wieder werde ich an einen Kraken, wohl an dem Bruder des Hausarzt-Krakens, befestigt und darf nochmal in die Pedalen treten. Hier sieht wieder alles normal aus.

Danach warte ich darauf, dass mich der stellvertretende Klinikdirektor höchstpersönlich untersucht. Zwischenzeitlich kommt mir der Gedanke, dass diese Sache doch etwas groß aufgezogen ist, ein einfacher Arzt hätte doch gereicht, aber…nun ja. So geht man wenigstens auf Nummer sicher.

Der Professor Doktor Facharzt erklärt mich für völlig gesund und meint scherzend, dass es trotz alledem gut gewesen sei, das ich hergekommen bin, so konnte man wenigstens sicherstellen, dass ich quicklebendig sei und hey, besser so, als wenn ich irgendwann, aufgrund eines nicht untersuchten Krankheitsfalles tot umfallen würde. Das wolle man ja nicht. 😀 Ich bin gesund, geimpft und einer Reise nach Indien steht in der Hinsicht nichts mehr im Wege. Bis dahin, lasst uns das Thema „Beschwerden“ beiseitelegen und uns schöneren Themen widmen.

Dazu aber eines späteren Tages mehr! Macht´s gut! 🙂