Fliegen…

Gute Laune und sehr viel Vorfreude. Das sind die Gefühle mit denen ich aufwache. Der Tag, der mich ans andere Ende des Erdballs bringen wird, um mir eine neue Welt zu zeigen, bricht strahlend über mich herein. Ich verabschiede mich würdevoll von meinen Hunden, die den Ernst der Lage bisher noch nicht so verstanden haben, steige ins Auto und will einfach nur noch zum Flughafen, durch die Sicherheitsüberprüfung hinein in den Flieger. Viele meiner Liebsten sind mit zum Flughafen gekommen und umarmen mich ein letztes Mal, bevor ich die Meisten erst in einem Jahr wiedersehen werde. Meine Mutter hat Tränen in den Augen. Meine Großmutter auch. Sicher würden sie sich gerne länger von mir verabschieden, aber ich kann sie nicht weinen sehen.  Ich mache mich auf, passiere die Sicherheitskontrolle und stehe nun am Gate. Ich habe noch viel Zeit, also gehe ich zum Duty Free Shop und probiere ganz viele verschiedene Perfums aus. Meine Flugnachbarn werden sich freuen. Vielleicht brauche ich auch einfach eine ganz stupide Ablenkung von der Verabschiedung gerade eben.

Bereits im gestarteten Flugzeug, sehe ich Berlin unter mir verschwinden. Ich winke dem immer kleiner werdenden Fernsehturm ein letztes Mal zu, bevor auch er, wie der Rest der Stadt hinter den Wolken verschwindet.

In Frankfurt gelandet treffe ich auf Merlin, meinen zukünftigen Mitfreiwilligen und zusammen machen wir uns auf, durch Sicherheitskontrollen und Check-In´s. Was dabei auffällt: Merlin ist um einiges schneller als ich beim Ablegen seiner Wertsachen und kommt mit seinem Boardingpass in Nullkommanichts durch die prüfenden Augen der Beamten, wohingegen ich zwei PC´s, sowie meine Ukulele, als auch den Gürtel mit der Bauchtasche, mit wichtigen Unterlagen, wie Reisepass und Visa-Karte, einzeln auf das Band schicken muss, um das dann alles wieder zu verstauen.

Das soll mir später noch zum Verhängnis werden!
Doch vorerst läuft alles wie geschmiert, wir steigen ins Flugzeug Richtung Mumbai, dass in einer Reihe ganze acht Plätze hat. Ich habe die Ehre am Fenster zu sitzen.

Stunden vergehen und mit dem Erreichen der anderen Erdhalbkugel wird es schlagartig immer dunkler, bis es schließlich Nacht ist. Nach einem Film, des Lufthansa-Flugangebots und einigen Schlafversuchen, erscheinen Lichter tief unten und vereinigen sich zu mehreren. Mumbai liegt unter uns.

Es fängt damit an, als wir aussteigen und merken, dass alles etwas anders ist. Überall sind Inder, der Boden ist mit bunten Teppich ausgelegt und die Luft ist auch etwas anders.

Wir gehen an Leuten vorbei, die Schilder in die Höhe halten. Bei einem steht sogar „Hyderabad“ drauf, Merlin will dem Mann mit dem Schild schon folgen, ich halte ihn aber zurück. Ich habe in letzter Zeit sehr viel über Schlepper in Indien gelesen, die noch mehr Geld aus den Touristen ziehen wollen und dieser scheint mir so einer zu sein. Wir lassen ihn hinter uns und müssen feststellen, dass wir wahrscheinlich unseren Anschlussflug nach Hyderabad nicht bekommen werden, so erstreckt sich vor den Check-In-Schaltern einer große Warteschlange. WLAN bekommen wir auch nicht, können im Notfall also nicht mal irgendwem Bescheid sagen! Große Klasse! Als wir endlich durch sind, sind wir leicht gestresst, erwartet uns nun noch die lange Warterei bei den Gepäckabnahmeschaltern. Nach fünfzehn Minuten ist immer noch nichts da und wir werden verdammt nervös. Wir entschließen uns jemanden zu fragen und suchen nach Leuten. Finden tun wir nichts. Stattdessen werden wir gefunden. Von dem Mann, der vorhin das „Hyderabad-Schild“ hochgehalten hat. Er hat unsere beiden Koffer bereits auf einen Wagen geschmissen und rät uns jetzt möglichst schnell zum Flugzeug zu kommen. So kann man sich in Menschen täuschen.

NIE WIEDER DRUCKE ICH MIR EIN BOARDING-PASSS IM INTERNET AUS! In Deutschland mögen die ja noch ganz okay gewesen sein, aber Indien, oder zumindest die Beamten aus Mumbai scheinen damit ein großes Problem zu haben. Normale Boarding-Pässe nehmen die liebend gern ab, aber wehe man hat etwas, was von der Norm abweicht! Dann grübelt der Inder erst einmal eine Weile. So ist es uns hautnah widerfahren!

Wir rennen also den Flughafen entlang, rufen dabei „Hyderabad? Hyderabad!? Hyderabad !?!?“ und lassen uns so vom Personal, das wohl überall stehen zu scheint, in die richtige Richtung leiten! Immer wieder gibt es Zwischenstopps zur Boardingpass-Kontrolle. Merlin kommt mir seinen gemeinen Boardingpass super durch. Ich jedoch….

„ Thats no Boardingpass!“

„ No, that is a Boardingpass. It´s just different.”

“That’s no Boardingpass, do you have a Boardingpass?

“ This it is!”

“Your Boardingpass?”

“Yeah!”

“Okay, wait two Minutes.”

Beim ersten Mal war´s noch okay, dann wurde es aber zur Tortur, jedes Mal die Leute darüber aufzuklären, dass man einen Boardingpass hat, nur eben einen anderen. Als dann nochmals eine Sicherheitskontrolle durchgeführt wurde, ich erneut mein ganzes Zeugs aus dem Rucksack kramen musste und dann noch ein Kontrolleur in Seelenruhe meinen Rucksack aus dem Verkehr zog, weil er bei einer Sache nicht wusste, was dahintersteckte, wurde die Zeit echt knapp. Als ich ihm mein in einer Socke verpacktes Kameraobjektiv gezeigt und er mir gaaaanz langsam meinen Rucksack wiedergegeben hatte, rannten wir mit allen möglichen Dingen auf dem Arm dem Boarding entgegen und schafften es sogar noch in den Flieger zu kommen. Entkräftet und schweißgebadet klatschen wir uns ab.

Als wir über Hyderabad schweben, erwartet uns ein wahres Lichtermeer bis zum Horizont. Die Stadt lebt, stellen wir fest. Und das auch mitten in der Nacht.

Der Abschluss dieser Reise hätte so schön sein können, doch stattdessen wird mir auf einmal beim Aussteigen aus dem Flugzeug bewusst, dass meine Gürteltasche, mit der Visa und –Girokarte und dem Personalausweis nicht mehr da ist. Ich suche wie wild in meinem Handgepäck, doch da ist nichts! Die einzig logische Erklärung ist, dass ich den Gürtel beim wilden Galopp in Mumbai Richtung Boarding verloren habe! Das macht die Sache auch nicht besser….

Was wäre passiert, hätten wir in Mumbai gleich auf den Mann mit dem „Hyderabad-Schild“ gehört? Bestimmt, hätte man sich etliche Strapazen erspart. Ein gesundes Misstrauen ist nicht verkehrt, aber man sollte sich wohl nicht zu verrückt machen…

Draußen treffen wir auf Skrollan und die beiden Mädels, unsere Vorgänger bei Dhaatri, die im Begriff sind uns in unser neues Heim zu bringen, doch die Fahrt, unsere Erlebnisse, die ersten Eindrücke, in einem anderen Eintrag erwähnt…