Alltagsleben – Kleine Geschichten für zwischendurch – Teil 1

Nun, für den genauen Beobachter dieses Blogs mag es so vorkommen als sei ich nur unterwegs. Von Reise zu Reise. Von Dallapalli nach Hampi, von Poolabanda nach Katiki und so weiter. Klar, momentan scheinen die letzten Einträge nur davon zu leben, doch überschatten sie die kleinen Geschichten, die daheim, zwischen den Reisen passieren. Und da diese keineswegs zu kurz kommen sollen, hier nun ein paar kleine Snacks für zwischendurch. 🙂

 

Von Reports, Stillleben und Ratlosigkeit

Eine Arbeitswoche, wie sie unter normalen Umständen laufen sollte, beginnt montags um 10:00 Uhr morgens. Man arbeitet bis rund 13:00 Uhr, dann gibt es Mittag. Danach wird bis um fünf weitergearbeitet, so steht’s im Vertrag. Die normalen Mitarbeiter unserer Organisation arbeiten wesentlich länger. Bhanu, unsere Chefin, arbeitet gut und gerne bis nach Mitternacht, was zur Folge hat, dass sie  am nächsten Morgen nicht erscheint, da sie zu überarbeitet ist, um weiter zu machen. Als alleinige Koordinatorin einer ganzen NGO hat man eben viel zu tun und besonders für eine Frau in den 50ern, ist das manchmal zu viel.

Oft spiegelt sich das dann auch in ihrer Stimmung wieder. Wenn die anderen etwas nicht richtigmachen, kann es an einigen Tagen dazu kommen, dass Bhanu die gesamte Truppe, zusammenschimpft. Meist hat nur einer, selten jemand von den Freiwilligen, etwas falsch gemacht, dieser wird dann beschimpft und lässt es heroisch über sich ergehen, ohne Widerworte zu geben. Bhanu ist ganz klar in einer höheren Kaste, ihr wird das Mittagessen von den Haushälterinnen serviert, währenddessen wir anderen unser Essen selbst holen müssen. Kommt es dann, am Mittagstisch,  zu beschriebenen Wutausbrüchen, ist das ganze Haus mucksmäuschenstill. Niemand kann und will ihr in irgendeiner Weise widersprechen, da man ganz genau weiß, dass es dann für einen sehr übel werden kann.

Meist aber, ist Bhanu eine Frau mit der man viel lachen kann. Sie weiß genau, wie sie mit uns Freiwilligen umgehen sollte und was sie uns für Grenzen auflegen darf. Sie war auch mal jung und hat angeblich einige verbotene Sachen gemacht, deswegen weiß sie, was wir für Vorstellungen haben.

Bei der Arbeit ist es äußerst schwer sie zufrieden zu stimmen, besonders bei Reports. Dennoch meint sie äußerst gut und will uns in dem Sinne nur verbessern. Über Katiki und deren Wasserfall haben Merlin und ich vor nicht allzu langer Zeit einen Text verfasst und ihn ihr gezeigt. Prompt kam die Rückmeldung, dass ihr dieser Report zu journalistisch sei. Dies wäre im Anbetracht dessen, dass man den Text möglicherweise an die Regierung schicken sollte, fehl am Platz. Er informiere nur ein breites Publikum und wäre in der Hinsicht nicht tiefgreifend genug. Sie schickte uns eine Mail mit ihren Anforderungen, mehr herauszufinden.

Oft, geht so eine Mail über eine ganze Seite und danach sind wir meist ratloser als zuvor, weil wir überhaupt keinen Schimmer haben, was wir jetzt genau machen sollen.

Ich habe hier mal einen Report über die „Borra Caves“ verlinkt. Hierbei haben wir versucht, den Anforderungen Bhanus gerecht zu werden. Sind wir das? Keine Ahnung? Bisher kam noch keine seitenlange Mail zurück. Drum urteilt doch einfach selbst und vielleicht findet ja jemand sogar noch einen Fehler, den man ausbessern könnte. Also: Ran ans Werk!

Borra Report

Unter günstigen Bedingungen sitzen wir also den ganzen vorm PC, recherchieren, tippen und stöhnen. Das heizt natürlich die Gemüter ordentlich an, Merlin beispielweise, beklagte sich vor unserer Dallapalli-Reise über Eintönigkeit und dass man so nicht weitermachen könne, säße man ständig nur bis zum Abend. Die Reisen nach Dallapalli und Poolabanda sind in der Hinsicht ein wahres Geschenk und bisher haben wir dort auch den eigentlichen Zweck unseres Freiwilligendienstes gefunden. Zuhause werden dann die Trips ausgewertet und es wird überlegt, was als nächstes zu tun sei, um den Menschen vor Ort zu helfen…

Zuhause

Ich sitze nach Arbeitsschluss auf unserem Balkon, wie wir das des Häufigerem tun, es die Zeit vor meinen ersten Trip nach Dallapalli und höre Musik. Es wird langsam dunkel, die Dächer färben sich leicht orange, angestrahlt durch den leichten Sonnenuntergang über der Stadt und die Moskitos wittern ihre Chance menschlichen Geschöpfen Blut auszusaugen. Merlin telefoniert im Nachbarzimmer mit seinen Eltern und Skrollan, unser sportliches Vorbild, ist laufen gegangen. Da sitze ich nun und höre melancholische Musik, die mich an zuhause erinnert. Einaudi.

Wäre das nicht schon schön genug so den Tag ausklingen zu lassen, entsinne ich mich plötzlich einer ganz bestimmten Sache: Mein Vater hat mir daheim ein ominöses Päckchen mitgegeben, dass ich erst in Indiem aufmachen sollte. Gleich am ersten Tag, nach unserem Flug, tat ich das auch und fand eine Menge Karten mit Texten meiner Liebsten darauf, die mich in schweren Zeiten aufmuntern sollten. Mit dabei auch eine Lichterkette, die bisweilen ungenutzt blieb.

Doch nun, scheint mir der richtige Zeitpunkt zu sein sie aufzuhängen. Auf der Stelle krame ich sie hervor und hänge sie mit einigem Rumoren und Stöhnen den gesamten Balkon entlang auf. Als ich fertig bin, stecke ich den Stecker in die Steckdose und siehe da; es werde Licht!

Die ganze Terrasse ist in einem warmen Schimmer getaucht, der dem Ganzen für mich eine ganz große Bedeutung schenkt. Total inspirierend. Als Merlin und Skrollan nach einiger Zeit mein Werk begutachten sind auch sie hin und weg. Ab dem Zeitpunkt sollte der Balkon eine viel größere Anziehungskraft besitzen als jeder andere Ort des Hauses.

Die nächsten Wochen bauen wir, zusammen mit Ravi und einigen anderen Teilzeitarbeitern, an einer Überdachung, die sowohl vor Sonne, als auch Regen schützen soll. Es wird, ganz nach indischer Manier, einfach drauf los gebaut, alles ist irgendwie schief und komisch, Netze werden mit Planen und einer Art Strohhutstoff verbunden, wirklich gut zusammen passt das alles nicht, doch als wir schließlich fertig sind und die Lichterkette meines Vaters und eine weitere von unseren Vorgängern mit der Überdachung vernetzen, fühlen wir uns doch irgendwie ein Stück weit mehr heimisch. Nun muss die Markise nur noch den Regen-Test überstehen, der alsbald auch kommt. Wir sind schließlich in der Monsunzeit, wo es gefühlt jeden Tag durchzuregnen scheint.

Es wird Nacht, wir gehen schlafen und hören, wie dicke fette Tropfen auf unsere improvisierte Überdachung prasseln. Alle drei liegen wir wach, voller Besorgnis, in unseren Betten. Ist es noch ganz, unser Sonnendach? Wie lange wird es den Fluten wohl standhalten?

Am Morgen gilt unser erster Gedanke dem Balkon, wir stürzen voller Angst heraus, doch die ist gar nicht angebracht. Unser Dach steht! Zwar mit einigen Löchern, die es auszubessern gilt, aber es steht!

Was man vom Baum in unserem Vorgarten nicht behaupten kann. In der Nacht ist ein riesiger Ast abgebrochen und liegt nur vor unserem Tor. Zum Glück ist der genau in die richtige Richtung gefallen! Zu etwaiger anderer Seite hätte das übel ausgehen können. Nach rechts und der Ast wäre direkt auf´s Grundstück unseres miesepetrigen Nachbarn geflogen, der uns nicht so wirklich leiden kann, da er glaubt, wir würden bald sein Hab und Gut beschlagnahmen. Immer, wenn wir an ihm vorbeilaufen und ihn nett grüßen blickt er uns so finster an, als töteten wir gerade sein Haustier. Ein Baum auf seinem Dach würde sicherlich die ganze Sachlage um einiges verschlechtern.

Ein Glück muss ich nicht bei den Aufräumarbeiten mitmachen, haha, ich würde nämlich Stunden später meine Sachen packen und die erste Reise nach Dallapalli antreten…

 

Pakete aus der Heimat

Nach meinem Trip nach Dallapalli und Poolabanda komme ich völlig gerädert nach Hause, kann mir aber ein Lächeln nicht verkneifen, als ich oben auf dem Balkon Merlin sehe, der mir schon voller Begeisterung zu winkt. Es ist wunderbar wieder daheim zu sein, der abgebrochene Ast ist weg und endlich kann ich wieder mit meinen beiden Mitfreiwilligen lachen. Sie zeigen mir, nach einiger Eingewöhnungszeit, ein ominöses Paket, an mich adressiert. Von wem mag das wohl stammen? Wie sich schnell herausstellt, kommt das Paket von meinem Vater, der sich vorgenommen hat, mir jeden Monat eins zukommen zu lassen. Rasch packen wir es aus und finden ein Plastikeinhorn, das Bälle verschießen kann vor. Natürlich sind noch andere Dinge, wie Gummibärchen dort drinnen, doch dieses Einhorn sollte für einige Zeit für uns nahezu existenziell werden. Eigentlich war es, laut Beschreibung, für die indischen Kinder gedacht, aber hey, wir sind doch auch irgendwie noch Kinder, oder würden es zumindest gerne noch ein bisschen sein. So bombardierten wir uns eine halbe Stunde lang mit den Geschossen des Einhorns und quietschten total vergnügt, bis uns die Puste ausging.

Insbesondere mir, der einen ganzen Tag gereist war. Gegen Abend würden die beiden zum Chor gehen, ich daheim bleiben und auf der Stelle, mit allen Klamotten am Leib, einschlafen. Ich sah, wie Merlin es später beschreiben würde, ziemlich „tot“ aus.

Am nächsten Tag sollte auch noch ein Paket von meiner Mutter ankommen, es beinhaltete zwei T-shirts meines Kleiderschranks, wovon ich eins Wochen später an Vickie, den Trommelverkäufer aus Hampi, verschenken würde. Nicht, weil es hässlich war, nein, es bot sich in diesem Moment einfach an.

Auch war ein kleines Büchlein dabei, das Bilder meiner Familie zeigte. Bevor ich zu den anderen Dingen kam, konnte ich nicht anders, als mir eben dieses Buch anzuschauen. Ein Stück Heimat, würde von nun an, mich immer begleiten. 🙂

Es ist wahnsinnig schön, wenn daheim noch jemand an dich denkt und ich freue mich jedes Mal, wie ein Honigkuchenpferd, wenn der Postbote mir ein Päckchen überreicht.

 

 

Die Vierte im Bunde

Es konnte natürlich nicht Ewigkeiten so weitergehen, dass wir zu dritt das Office belegten, nein, da war ja noch jemand. Toni.

Erst Anfang Oktober 18 Jahre alt geworden (einen „weltwärts-Freiwilligendienst kann man nur dann absolvieren, wenn man volljährig ist), begann wenig später auch ihre Reise Richtung Indien.

So hieß es für uns drei einen Schlussstrich durch unsere Dreieinigkeit zu ziehen. Währenddessen wir die letzte Nacht zu dritt damit verbrachten „Game of Thrones“ zu schauen, ging uns durch den Kopf, dass die Zeit bis hierhin wahnsinnig schnell verflogen ist. Von nun an würden wir zu viert Hyderabad unsicher machen. Nun hätte auch Skrollan, die vorher in der Unterzahl war, einen weiblichen Part mehr an ihrer Seite. Nur mit uns beiden Rabauken war es sicherlich auch schön, aber mit einer gleichgeschlechtlichen Ansprechperson, lebt es sich doch erheblich leichter.

Als Toni schließlich, um die Mittagszeit herum, total fertig von der langen Reise, ein Schläfchen in unserem Zimmer macht, versuche mich daran zu erinnern, wie es damals in den ersten Tagen für mich war. Dies ist wahnsinnig schwer, scheint der August doch schon weit, weit hinter uns zu liegen.

Einem komischen Gedanken folgend, entscheiden wir Jungs uns etwas aus unseren kleinen süßen Vorgarten zu machen. Die ganze Zeit lag dieser brach, doch jetzt auf einmal hat er unsere Aufmerksamkeit erregt. Wir wollen Kartoffeln anpflanzen und dazu muss die lehmige Erde umgegraben werden. Auf der Stelle machen sich die beiden Bauersgehilfen Merlin und Leo auf und versuchen mit einer ziemlich maroden, indischen Schippe, die Erde aufzulockern. Dies gelingt ihnen recht gut, es hat die letzte Zeit viel geregnet, sodass die Erde feucht und leicht umzugraben ist. Was beide jedoch in dieser Schlamm-ähnlichen Suppe nicht bedacht haben: Die auffliegenden Schlammspritzer, schlägt die Schippe auf den Boden. Nach weniger Zeit sehen wir sehr, sehr dreckig aus, unsere Füße versinken im Matsch und wir jauchzen ungelenk, wenn wir beinahe davor sind auszurutschen. Das lockt auch die beiden Mädels an, eins fit, das andere müde, aber auch sie sind von der Matschepampe begeistert und so rutschen wir gemeinsam durch den nassen Garten. Einmal mit der Schippe auf die Erde gehackt und alle bekommen Spritzer ab. Sehr sehr lustig. Ich, in meiner ungebändigten Schadenfreude, versuche dies mehrmals, schlage aber irgendwie im falschen Winkel, sodass ich fast alles abbekomme. So war das nicht geplant. 😀

Toni findet sich überraschend sehr schnell bei uns ein und wagt es am dritten Tag sogar alleine loszuziehen, um Bananen zu kaufen. Meines Erachtens habe ich mich das damals noch nicht getraut. Chapeau, Toni. Auf dem Vorbereitungsseminar hatte sie einstmals die Gedanken, nicht wirklich damit zurechtzukommen, als Neuling in ein sich bereits eingearbeitetes Getriebe zu einzusteigen, doch schon damals bestätigte ich ihr, dass dies definitiv nicht der Fall sein wird. Ist er auch nach wie vor nicht, sie begann bereits wenige Tage nach ihrem Flug mit der Arbeit und war kurz danach genauso Teil des Getriebes wie wir.

Das alles hinderte sie jedoch nicht davor ihren Reisepass, auf dem Weg ins Konsulat zu vergessen. Zusammen mit Skrollan zog sie los, um sich registrieren zu lassen. Ich wäre unheimlich gerne mitgekommen, war doch im letzten Paket meines Vaters eine englische Ausgabe von „Nathan den Weisen“, die ich total gerne an meinen Freund aus dem  Konsulat weitergegeben hätte. Damals, als ich mit dem Chef der Abteilung über Religion unterhielt, habe ich ihm schließlich vorgeschlagen eben dieses Buch unbedingt mal zu lesen.

Doch nun, muss ich zuhause bleiben, um mit Merlin den Report über Katiki fertig zu schreiben.

Doch dann scheint es wie eine Fügung des Schicksals zu sein, dass wenig später der Anruf kommt, dass Toni ihr wichtigstes Dokument zur Registrierung vergessen hat. Im Nu kralle ich mir ihren Reisepass, sowie Nathan den Weisen und brause Richtung Konsulat. Dort angekommen übergebe ich Toni feierlich ihren Pass und erspähe auch wenig später meinen bebrillten Freund in der Chefetage, dessen Augen zu leuchten beginnen, als er mich erkennt. Er ruft mich zu sich, umarmt mich und zieht mich in seinen Raum. Wir unterhalten uns gut, trinken Chai und währenddessen reiche ich ihm das Buch. Begeistert blättert er es durch, ist richtig gerührt davon, dass ich ihm etwas geschenkt habe und verspricht mir hoch und heilig, dass ich von ihm auch ein Buch über den Hinduismus bekommen würde. Ich gebe ihm meine Nummer, damit er, wenn etwas gefunden hat, mich anrufen kann. Zufrieden über diese glückliche Fügung mächtige Freunde im Konsulat zu haben, verabschiede ich mich von ihm, mache mich auf den Rückweg und nach anderthalb Stunden kommen auch die Mädels, Toni ist nun auch registriert, zurück.

In dem Sinne kann das Jahr zu viert und  registriert beginnen!

 

Happy Diwali

Mitte Oktober verändert sich auf einmal das Stadtbild Hyderabads. Überall werden große Stände mit Feuerwerkskörpern aufgebaut. Der Inder kauft und kauft und kauft allerlei Böller und Raketen und die ganze Stadt scheint sich in ein riesiges Schlachtfeld zu verwandeln, so oft es kracht und bumst.

„Ja ist denn schon Silvester?“ fragen wir uns. Nein, es ist Diwali! Das Lichterfest der Hindus. Diese Feierlichkeit kann gut und gerne, aufgrund seiner spirituellen und sozialen Bedeutung, mit dem westlichen Weihnachten vergleichen.

Einst soll der Gott Rama, der vierzehn Jahre im Exil gelebt hatte, zusammen mit seiner Frau und seinem Bruder, zurück in seine alte Heimat gekommen sein. Es war mitten in der Nacht und dunkel und so entzündeten die Menschen Öllampen, um den Gott den Weg zu weisen.

So glauben die Nordinder. In Südindien gibt es eine andere Geschichte.

Hier soll der Gott Krishna den Dämonen Naraka besiegt haben, der mehr als 16.000 Frauen gefangen hielt. Die Kernaussage dieses Festes ist deswegen der Sieg des Guten über das Böse, der Wahrheit über die Lüge und des Lichts über den Schatten.

Existenziell bei diesem Fest, sind die Lichter. Ursprünglich zündete man nur kleine Öl-Lampen an, die man vor das Haus stellte. Angeblich würden diese Lichter den Geistern der Toten den Weg in das Land der Seligkeit zeigen, als Symbol für die Überwindung des Todes. Heutzutage entzündet man nebenbei ein riesiges Feuerwerk.

 

Wir sind zwar nicht hinduistisch, wollen uns dieses Fest aber auf keinen Fall entgehen lassen und da wir seit Neusten zwei neue Haushälterinnen haben, die total Diwali-begeistert sind (Raji, unsere lustige kleine Köchin hat sich dazu entschieden zu heiraten und kommt deswegen nicht mehr zurück), beginnen wir einen Tag vor den Festlichkeiten mit den Vorbereitungen. Dafür werden mit speziellen Farben besondere Symbole, wie das Swastika auf den Boden gemalt.

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Wir dürfen dabei auch dabei sein und entzünden bereits jetzt einige Raketen, da Skrollan heute Geburtstag hat und sie morgen, zusammen mit Toni nach Dallapalli aufbricht.

Am Tag darauf kauft Merlin einen beachtlichen Vorrat an Feuerwerk, gemeinsam mit den beiden indischen Mädels, die weder Englisch noch Telugu sprechen, entzünden wir die kleinen Lichter vor dem Haus und lassen es krachen.

Hierbei sei zu erwähnen, dass indisches Feuerwerkszeug, nicht mit dem aus Deutschland zu vergleichen ist. Zuhause sind Polen-Böller schon hartes Zeug, doch das ist nichts gegen indische Schwarzpulverkunst. Nie habe ich so laute und so stark explodierende Böller gesehen, wie heute. Sie sind beinahe schon zu vergleichen mit Granaten, oder Bomben, sodass wir uns die ganze Nacht vorkommen, wie in einem riesigen rauchenden Kriegsgebiet.

 

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Um ehrlich zu sein, ist uns da der altertümliche Brauch, lediglich Öllampen zu entzünden, weitaus lieber.

In dem Sinne: „Happy Diwali!“

 

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Müll ist nur eine Frage der Perspektive

Zum Schluss möchte ich kurz nochmal was feststellen:

Oft habe ich über ihn geschimpft und oft habe ich mich über die Menschen beklagt, die so dreist sein können ihre Natur zu zerstören, durch Abwerfen ihres Abfalls, doch nie habe ich wirklich hinterfragt was Gründe dafür sein können.

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In erster Linie, fehlt natürlich ein System. Indien hat keine Recyclinganlagen für Plastik, oder andere Stoffe. Dadurch, dass man keine Stoffe extra in einem anderen Müll schmeißen muss, gibt es keine Mülltrennung, alles kommt in einen Eimer, der bald irgendwo entsorgt wird. Dadurch, dass nichts recycelt wird und alles irgendwo in der Pampa liegt, muss mehr produziert werden. Dadurch kommen noch mehr schädliche Stoffe in die Umwelt. Es ist ein riesiger Kreislauf, der erst dann durchbrochen werden kann, wenn die Regierung Geld in die Hand nimmt und damit anfängt Recyclinganlagen zu bauen.

Auch, so muss ich mittlerweile leider feststellen, habe ich, als Deutscher, in dem Sinne dazu beigetragen, dass es erst so schlimm ist. Ich, wie alle anderen Menschen in den Industriestaaten vermitteln doch erst den Wert von Dingen, die in erster Linie Müll sind. Eine Riesige Marke in Indien, die nahezu fast alle Getränke besitzt und privatisiert hat, ist „CocaCola.“ Der Westen bietet es billig an und produziert es dazu noch da, wo es am billigsten ist. In Schwellenländern, wie Indien.

Der einzelne Inder kann nichts dafür, wenn ihm das nötige Wissen einfach fehlt und zudem ist es einem wahrscheinlich auch egal, wenn man geradezu am Existenzminimum lebt. Dann hat man wesentlich dringendere Dinge zu tun, als sich um die Mülltrennung zu scheren. Müll ist eine Frage der Perspektive. In ärmeren Gebieten Hyderabads ist es weitaus dreckiger, als in den reicheren. Oft sind wir schon an einigen Militärstandorten vorbeigefahren und das Militär hat in Indien einen ganz hohen Stellenwert. Mit über 1,3 Millionen aktiven Soldaten hat Indien die drittgrößte Streitmacht der Welt. Im Vergleich: Deutschland hat nur knapp 170.000 Bundeswehrsoldaten.

Die indischen Kasernen sind mit denen aus Deutschland kaum zu vergleichen. Überall ist es grün, hübsche, bunte Blumenbeete sind überall angelegt, riesige alte Bäume stehen an den sauberen Straßen und die Kasernen sind stets frisch gestrichen. Hier findet man keinen Abfall, ebenso wenig wie in den Reichenvierteln Hyderabads, beispielsweise in „Jubilee Hills“, dort wo das HyLife, der Club, in dem wir bereits zwei Mal waren, steht. Hier sind die Leute gebildeter, es mangelt ihnen an relativ wenig, sodass sie sich Gedanken über den Müll machen können.

Klar, es ist oft, besonders in den ländlichen Gebieten, sehr dreckig und man kann sich nicht genügend darüber aufregen, aber dennoch sollte einem klar sein, dass die einzelnen ärmeren Leute nicht viel dafürkönnen.

Drum sollte man wirklich damit anfangen, statt nur Fotos zu machen, den ärmeren Menschen zu zeigen, was man anders machen könnte. In einem großaufgelegten Projekt, könnte man allen Müll, den man in näherer Umgebung findet, auf einem Haufen zusammentragen, um einen möglichen Aufschrei der Bevölkerung zu verursachen.

Oder man fängt damit an in Katiki Englischunterricht zu geben, um schon den Kindern etwas an Wissen zu vermitteln. Das hätte auch zweierlei Effekt. Wir müssten mehr Telugu sprechen, was wir in letzter Zeit sehr verpasst haben. Statt sich immer nur auf Englisch zu berufen, könnten wir wenigstens die Grundlagen für Telugu lernen..