Roadtrip zu einem Toten

Mit einem Ruck setzt sich alles in Bewegung. Ich sitze im hinteren Teil des Autos, das Fenster ist heruntergekurbelt. Ich schaue hinaus. Das Auto wird schneller, das Haus verschwindet langsam im Morgennebel. Der Boden unter mir jagt vorbei. Ich recke den Kopf noch weiter in den Wind und lehne mich ein kleines Stück mehr aus dem fahrenden Ambasador. Genieße die Freiheit des Augenblicks, während die Welt draußen in Dunkelheit versinkt und wir das Lichtermeer der nie schlafenden Stadt hinter uns lassen. Ich schaue nach links. Neben mir auf der Rückbank, das Mädchen mit den rotgeweinten Augen. Es hebt den Blick und schaut mich durchdringend an. In diesem Blick liegt so viel Traurigkeit. Tausende Gedanken flirren mir durch den Kopf. Sie gehen nicht weg. Warum bin ich verdammt nochmal hier?! Das macht doch alles gar keinen Sinn. Ich hab hier nichts verloren. Rein gar nichts! Warum ich?! Warum ausgerechnet ich?

Ich fühle mich gefangen in einem Gefängnis, das ich mir selbst errichtet habe. Dem Mädchen kann ich nicht in die Augen schauen, obwohl ich weiß, dass ich es müsste. So fahren wir dahin. Immer weiter auf dem Weg zu einem Toten.


10 Stunden zuvor 

In der Ferne hört man abschwächende Hupkonzerte, ein Abendvogel schreit, sonst Stille. Dann rast ein Auto von links nach rechts, Leute jubeln.

„Aua! Pass doch auf!“ Schreie ich. 

„Achtung Bodenwelle!“ Merlin lacht, als das Auto klappernd über eine Erhebung im Boden rast. Wir stoßen uns kichernd an der Decke des Kleinwagens.

„Sind wir wirklich acht Personen hier drinnen?“ Gluckst Lion. 

Was uns geritten hat uns mit so vielen Leuten in ein einzige Auto zu quetschen? Keine Ahnung. Es ist das erste Mal, dass wir in dieser verrückten  Stadt alle zusammen etwas unternehmen und das soll gefeiert werden. Ich sitze hinten, zwei meiner Freunde neben mir und eine auf mir.  Vorne sitzt Merlin, den Oberkörper aus dem Fenster gelehnt. Er hat die Augen geschlossen, scheint den Moment zu genießen.

„Was schaust du mich so an?“ Fragt Merlin, als er meinen Blick bemerkt.

„Was? Ach nur so, du wirktest so entspannt.“

„Bin ich auch, Mann. Ich bin so froh euch alle hier zu haben“,  erwidert er glücklich.   

„Kann ich mir vorstellen. Schade, dass es bald nicht mehr so sein wird.“ Ich atme aus. 

„Alles wird gut! Klar bin ich übermorgen weg, aber wir werden uns wiedersehen. Versprochen. Hey, lass dich nicht hängen!“

Es sollten unsere letzten Stunden zusammen sein. Wir waren vor einem halben Jahr in Indien gestrandet, um uns in einer NGO für die Rechte indigener Bevölkerungsgruppen einzusetzen. Und – ja, verdammt noch mal – wir hatten uns in dieses Land verliebt. Es regierte eine Art geordnetes Chaos. Alles funktionierte einfach irgendwie jeden Tag aufs Neue. Und fragte man uns von daheim, wie dieses Land war, so konnten wir es nicht in Worte fassen. Indien musste man erleben, musste es spüren, riechen, hören, schmecken! Bisher taten wir das zusammen. Merlin und ich. Doch in zwei Tagen würde sich das ändern. Übermorgen musste Merlin zurück. Wie es dazu kam,  berichte ich im nächsten Eintrag. Was in dieser Geschichte zählt, ist, dass er aufbrechen musste. 

Gerade waren wir mit dreizehn Leuten im Coffe Cup, unserem Lieblingsrestaurant und jetzt wollen wir zu den Jungs aus der Abhaya School. Möglichst Platz sparend versteht sich. Acht Leute in ein Auto, fünf in ein Taxi.

„Lebt ihr alle noch?“

„Ja!“ kommt es begeistert allen Seiten. Musik beginnt zu spielen und wir rasen über die Landstraße. Holterdiepolter pfeift der kleiner Wagen ächzend durch die nächtliche Stadt, hüpft lustig über Bodenwellen, schrammt beinahe über den Boden und ab und zu ist es möglich einen panischen Aufschrei aus dem Gefährt zu vernehmen, weil jemand sich zwischen etlichen Beinen und Körpern eingequetscht hat. Trotz alledem sind alle super gelaunt, ich kichere und gluckse vergnügt, derweil irgendein Körper halb auf mir liegt. Mit einem scharfen Rechtskurve hält das Fahrzeug an und acht glückselige Freiwillige kullern heraus. Das hat Spaß gemacht. Nochmal! Wir feiern, lachen und trinken ausgelassen und ich fühle mich unglaublich geborgen unter diesen Leuten. Gegen eins erscheint plötzlich Merlin neben mir.

„Leo, wir gehen jetzt, kommst du mit?! Wir müssen zuhause sein, bevor Savitri die Türen verriegelt.“

Ich bin stark am Überlegen, ob ich nicht noch ein Weilchen hierbleiben sollte. Die Stimmung ist gut und beim Bierpong liege ich knapp in Führung. Doch andererseits hat Merlin Recht. Wenn wir zu spät kommen, hat Savitri, die Haushälterin, wieder alles verrammelt und wir müssen draußen schlafen.

„Komm, viele Taxis fahren heute nicht mehr. Was ist, Leo? Bleibst du?“ Drängt Merlin.

„Alles klar, ich komm mit. Jungs, wir bleiben in Kontakt. Passt auf euch auf“, rufe ich Lion und Moritz zu und geselle mich zu Merlin.

Manche Entscheidungen haben einen besonderen Einfluss auf unser Schicksal. Das hier war eine von dieser Sorte. Vieles wäre anders gelaufen damals, wäre ich bei den Jungs geblieben. Aber so war es nun mal. Diese Entscheidung wird einen Wegpunkt in dieser Geschichte setzten. Wäre ich nicht mitgegangen, gäbe es nichts zu erzählen.

Daheim angekommen, falle ich müde ins Bett.

„Ein gelungener Abend“, stelle ich leicht angetrunken fest, gähne, schließe die Augen und beginne wegzudämmern. Schlafen. Nur noch schlafen … Doch dann beginnt plötzlich das Office-Telefon zu läuten. Savitri, die Haushälterin ruft meinen Namen.

„Jetzt?  Ist sie verrückt?! Ich kann doch jetzt nicht, so wie ich bin, ans Telefon! Es ist drei Uhr morgens?!“ Murre ich. 

„Geh, vielleicht ist es dringend. Sie gibt ja doch keine Ruhe“, meint Toni. 

So mache mich auf den Weg nach unten, Savitri gibt mir den Hörer in die Hand. Sie gibt mir zu verstehen, dass Bhanu,  unsere Chefin am Apparat ist. Ich bemühe mich, so gut es geht, mir nicht anzumerken wie betrunken ich bin. 

„Ja?“

„Leo, tut mir leid, du musst bestimmt schon geschlafen haben. Es geht um Savitri. Ihr Vater ist gerade eben verstorben.“

„Bitte was?“

„Ihr Vater ist tot. Am besten ist es, wenn sie sofort in ihr Dorf fährt. Sie soll ihn ein letztes Mal sehen. Du verstehst?“ 

„Ja, klar. Ich verstehe.“ Neben mir beginnt jemand zu schluchzen.

„Es wäre gut, wenn einer von euch sie begleitet. Am besten du. Ich organisiere einen Fahrer, der euch nach Hospet bringt.“

Neben mir heult Savitiri mittlerweile Rotz und Wasser. Toni kommt angerannt und blickt mich fragend an. Bhanu legt auf, ich lasse entgeistert den Höher sinken. Savitri rennt in ihr Zimmer, gefolgt von Roja, der anderen Haushälterin. Ich höre sie, wie sie weint.

„Ihr Vater … Ihr Vater ist tot,“ sage ich. „Sie muss in ihr Dorf, um ihn ein letztes Mal zu sehen. Ich soll mitkommen.“

Toni rennt geistesgegenwärtig, zusammen mit Skrollan, in Savitri´s Zimmer, um sie zu trösten.

Merlin kommt zu mir.

„Scheiße.“

Gemeinsam sitzen wir irritiert und niedergeschlagen auf dem Boden, plötzlich wieder hellwach. Ein kleines Licht beleuchtet uns schwach. Nichts ist zu hören außer das Wimmern des Mädchens. Ich hatte nie viel mit Savitri zu tun. Sie macht für uns sauber, kocht das Essen. Eigentlich ist sie jemand mit der mich menschlich wenig verbindet. Hab sie nie sonderlich gemocht. Doch in diesem Augenblick fühle ich eine ganz eigene Trauer um sie und ihren toten Vater.  

Der Ventilator brummt, aus der geschlossenen Tür vernehme ich das Schluchzen des Mädchens. Sonst gespannte Atmosphäre … Stille. Nach einer Weile ergreife ich vorsichtig das Wort.

„Wie kann das sein? Gerade war alles noch in Ordnung …“

„Das ist es meistens,“ meint Merlin. „ Jetzt geh. Pack ein paar Sachen zusammen. Man fährt mehr als acht Stunden in Savitris Dorf.“

„Aber … aber!“

Dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Wenn ich jetzt losfahre sehe ich Merlin vielleicht erst in einem halben Jahr wieder. Ehe wir vom Dorf aus wieder aufbrechen, kann gut und gerne ein Tag vergehen. Und den hat Merlin nicht mehr.

„Ich kann nicht. Ich will dich nicht jetzt schon verabschieden. Ich geh nicht. Die Aufgabe kann auch jemand anderes übernehmen“, flüstere ich aufgewühlt. 

„Nein, Bahnu hat dich dafür ausgewählt, Mann. Wir kriegen das schon geschaukelt. Vielleicht bist du auch ja eher wieder hier und alles wird gut.“ Merlin klopft mir auf die Schulter.

Ich hätte NEIN sagen, die Aufgabe an jemand anderes übertragen können, doch das tue ich nicht. Verwirrt und traurig, stapfe ich die Treppen hinauf, werfe einige Klamotten in meinen Rucksack für meinen Trip. Für meinen Roadtrip zu einem Toten … 

Es hupt, ein kleiner Wagen steht vor der Tür. Ich will nicht, steige aber ein. Ich muss. Ich wurde dazu auserwählt Savitri zu begleiten und vielleicht ist es mir auch ein innerliches Anliegen, das Eis zwischen uns aufzubrechen. Welch seltsame Gemeinschaft wir doch sind. Neben mir, zusammengesunken, hockt Anjali und vorne Hanumanth, unser Hausmeister. Schweigend fahren wir über die Straßen, hinaus aus der Stadt, verlassen diese bald und rollen in die Dunkelheit.

Hospet, liegt wenige Kilometer von Hampi entfernt, mit dem Nachtzug braucht man für gewöhnlich zwölf Stunden, doch wir sollten unser Ziel früher erreichen. So fühlt es sich aber nicht an. Gedankenverloren sitze ich da und weiß nicht, was ich sagen soll. Warum bin ich hier? Soll ich Savitri trösten? Wie mache ich das? Was soll ich sie fragen? Würde sie mich überhaupt verstehen, wenn ich nach dem Alter ihres Vaters, oder dessen Charakter frage? Bestimmt nicht. Das würde alles schlimmer machen. Die Stunden verrinnen. Die Sonne geht auf. Gleißend – über einem riesigen, rauchenden Kohlekraftwerk, in dessen Schatten sich ärmliche. Hütten ducken. Mich plagen Gewissensbisse. Ich bin ein schlechter Tröster. Indien ist riesig. Ich kann nicht schlafen, ständig werde ich wachgerüttelt von plötzlich auftauchenden Schlaglöchern, die das Auto erschüttern. 

Ein ganzes halbes Jahr zusammen und dann erlebe ich nicht einmal Merlins Abschied. Vielleicht schaffe ich es noch rechtzeitig zurück. Nein. Ich werd’s nicht packen. Wir fahren schon Ewigkeiten. Ich muss irgendwas sagen. Aber was, Gott verdammt, was?! Wie soll ich dieses Mädchen trösten!?

Die mir gewohnten Felsformationen Hampis tauchen aus der Wildnis auf und ich bin mir sicher, dass wir gleich da sind. Doch ein Blick auf Google Maps verrät mir, dass wir noch fünf Stunden vom Ziel entfernt sind. Indien ist riesig. Was, wenn ich morgen noch nicht zurück bin? Nie habe ich mich unwohler gefühlt als jetzt, weiß jedoch, dass es meine Pflicht ist hier zu sein. Man kann jemanden auch ohne Worte trösten … Doch ich kann es nicht.

Vier Stunden später, erscheint plötzlich ein Dorf vor uns, kaum hat das Auto angehalten, so stürmt Savitri bereits heraus und rennt auf eine große Menschenansammlung zu. Zu dritt folgen wir ihr. Sie stürmt in ein Haus, aus dem Klagegeräusche kommen. Ich will da nicht hin, probiere am Ende unserer Gemeinschaft zu laufen, doch das wollen die beiden anderen auch und schieben mich praktisch nach vorne. Wir gelangen zur Menschenansammlung, alle schauen mich so begeistert an, als sähen sie Gott Ganesha höchstpersönlich. 

Neugierig, fasziniert. Ich bin weiß. Ich bin anders als sie. Ich fühle mich hier so komplett fehl am Platz. Sie halten mich fest mit ihren Blicken. Ich kann nicht weg! Mit Gesten und Gemurmel laden sie mich lächelnd ein, einzutreten in das Haus. Jetzt abzuhauen, wäre unhöflich.

Ich ziehe die Schuhe aus und trete ein. In der Mitte des kleinen stickigen Raumes liegt auf einer alten Pritsche eine ausgemergelte Gestalt, eingehüllt in ein Leichentuch, das nur den Blick auf ein eingefallenes Gesicht freigibt, bemalt mit seltsamen weißen Mustern. Das Mädchen hockt über ihm und weint bitterlich. Zehn andere Frauen sitzen darum herum und schauen abwechselnd mich und den Toten an. Ich gehe, wie alle anderen, auf die Knie. Meine Augen starren gebannt auf die Leiche. Nach einer Minute schaue ich weg. Ich kann das nicht länger. Ich versuche, so ruhig wie möglich aus dem Raum zu gehen, obwohl ich am liebsten rennen würde.

Kinder umzingeln mich fröhlich, ziehen mich in ein anderes Haus und geben mir einen Teller mit Reis.

„Frühstück!“ verkünden sie.

Ich setze mich zu ihnen, mir wird ein Plastikstuhl angeboten, doch ich wehre ab. Ich will nicht erhöht sitzen.

Die Kinder lachen mich fröhlich an, sind begeistert von meiner Anwesenheit und fragen nach meinem Namen. Sie stellen sich reihum vor und reden auf Kannada (ihrer Landessprache) fröhlich auf mich ein. Ich bin verwirrt, weiß nicht was ich tun soll. Wie bin ich hier her gekommen? Warum sind hier alle glücklich, währenddessen fünf Meter weiter getrauert wird? Doch etwas steckt mich das Kinderlachen an, ich grinse und versuche mit den Kindern, die keineswegs schüchtern sind, zu reden. Wie offen und wissbegierig die kleinen Racker sind.

Das Gesicht des Fahrers taucht im Türrahmen auf: „Leo, go. We’re going Home.“ 

„Now?“

„Yes. 9 hours. Than arriving „

Neun Stunden für die Rückreise.  Merlins Abschied werde doch nicht verpassen. Soviel ist sicher. Dennoch ist mir mulmig zu Mute, drängt sich das Bild des Toten immer wieder in mein Bewusstsein. Zitternd schaue ich in Savitris  Augen, die mit hinausgekommen ist und bedeute ihr, dass ich nun Heim fahre. Sie sollte noch hierbleiben, 12 Tage lang, um zu trauern.

Ich steige ins Auto ein, Savitri steht draußen. Hat es ihr geholfen, dass ich dabei war? Vielleicht. Sie lächelt mir unbeholfen zu, sieht mir in die Augen. Ich lächle zurück. Hebe die Hand. Ein unbeholfenes Winken zum Abschied. Mehr schaffe ich nicht.

„Bye.“

„Bye.“

Wieder vergeht Stunde um Stunde. Die Zeit zieht sich und ich bekomme das Bild des Toten nicht aus dem Kopf. Die beiden Männer vorne lachen beherzt und scheinen wahnsinnig guter Dinge zu sein.

„Hey Leo, warum bist du so still. Lache!“
Tja, das sagt sich so leicht. Sind wir auf der Hinfahrt acht Stunden ohne Pause durchgebrettert, so häufen sich die Pausen nun im Stundentakt. Wir kommen nicht voran. Hannumanth scherzt mit dem Fahrer, darüber, dass die Colaflasche in seiner Hand Wodka sei und beide tun auf betrunken. Sie finden es lustig. Ich nicht. Am liebsten würde ich weinen. Am Nachmittag kehren wir in ein kleines Straßenrestaurant ein, ich habe kein Hunger, doch das wird von meinen beiden Mitfahrern nicht akzeptiert. Essen ist für die Inder heilig. Beide würden sich nahezu verachtet fühlen, äße ich nichts davon, was sie extra gekauft haben. Mein Mund trocknet mit jedem Bissen, den ich monoton vor mich hinstarrend, tätige, aus. Ich will einfach nur nach Hause. Die beiden Inder bestellen sich einen ganzen Haufen leckeren Essens und gerade hierbei meine ich die Kastenzugehörigkeit von ihnen, als auch die des Kellners zu erkennen. Hannumanth und der Fahrer behandeln ihn so, als sei er ihr persönlicher Sklave, lassen ihn an unserem Tisch stehen, damit er sofort Wasser nachschenken oder Chutney aufs Dosa verteilen soll, sobald beides aufgebraucht ist. Als selbst unterkastig ist es den beiden eine regelrechte Genugtuung endlich selbst Befehle zu erteilen. Unter ihren Gesichtspunkten gut verständlich. Bei mir zerfällt jedoch in diesen Momenten die über Monate aufgebaute Freundschaft zwischen Hannumanth und mir. Nicht nur wegen der Respektlosigkeit gegenüber den Kellner, ich mochte ihn, aber dieser Tag veränderte nicht nur die Beziehung zwischen mir und Savitri, sondern auch die zwischen mir und dem Dhaatri-Hausmeister. Irgendetwas brach zu der Zeit in meinem Herzen. Es war schwierig zu ertragen, wie die beiden Männer so lässig über den Tod einer Person hinweg sehen konnten. Gut, sie hatten die Leiche niemals gesehen und auch wenn wäre es bestimmt nicht ihre erste gewesen, aber es ging hier ums Prinzip. Ich war traurig, sie glücklich und beide ignorierten es kontinuierlich zu erkennen, wie mir zu Mute war. 

Erst spät am Abend erreichen wir Hyderabad. 20 Stunden ohne besonders viel Schlaf waren wir unterwegs. Meine Nerven liegen blank, ich will diesen Tag vergessen. Ich falle ins Bett, meine Freunde sind wieder um mich. Es scheint Ewigkeiten her zu sein, sie das letzte Mal gesehen zu haben. Merlin noch auf seiner Matratze sitzen zu sehen, treibt mir beinahe Tränen der Erleichterung in die Augen.

 Trotz meiner Zerrüttetheit muss ich mir eingesehen, dass ich der richtige für den Job war, egal ob ich ihn gut verkraftet habe oder nicht. Am Ende des Tages verstehe ich, dass jemand von uns mitmusste, um Savitri im welcher Art und Weise auch immer, zu unterstützen. Bahnu hatte erkannt, dass ich viel nachdachte und ich dadurch Savitri genügend Platz geben konnte, um sie auf die richtige Art zu trösten. Im Endeffekt musste sie gespürt haben, dass ich der Mensch war, der irgendwann das WARUM verstehen würde. Die Einzige, die zählte,  war Savitri.  Und rundherum war es egal, wer sie begleitete. Es ging hier nicht um mich, auch wenn Bahnu sich sicher gezielt dafür entschied mich mitzuschicken. Aber es ging nicht um die Wünsche oder Ziele eines Einzelnen. Es war keine Frage von Wollen. Es war einfach notwendig, dass jemand mitkam.

Unsere Organisation hält zusammen und für mich war dieses Abenteuer der Beweis, dass wir Freiwilligen zur Familie gehören und uns auch solche schwierigen Aufgaben zugemutet werden. Demnächst, will ich jedoch nach einer gelungenen Party, einfach nur ins Bett fallen, den Abend Revue passieren lassen und glücklich einschlafen, statt mit einer weiteren Hiobs-Botschaft auf einen Roadtrip geschickt zu werden …