Vorletzte Male

Wie die Zeit verrennt! Warum ist es oft so, dass die erste Hälfte eines Jahres langsamer vergeht, als das zweite Quartal? Warum vergeht das erste Schulhalbjahr quälend und kriechend, wohingegen ab Januar die Zeit nur so verfliegt?

Das frage ich mich, während ich hier im Zug, auf der Reise Richtung Bergdorf, sitze. Der März wird einer der letzten Monate sein, wo das Reisen nach Dallapalli überhaupt noch möglich ist. Danach wird es dort zu warm und die Einheimischen werden zu viel auf den Feldern zu tun haben, als dass sie sich mit uns herumschlagen dürfen. Bereits jetzt scheint es, laut Berichten schwer zu sein, die Jugend und die hart arbeiteten Leute noch für uns zu motivieren.

Wohl zwei Wochen werden Toni und ich uns dort aufhalten und so ganz im Klaren, was wir eigentlich tun sollen, sind wir nicht. Doch werden diese 14 Tage, übrigens die längste Zeit, die ich im Bergdorf verbringen werde, wohl ein erster Vorgeschmack auf einen Abschied sein.

Wer weiß, ob in den kommenden Monaten noch Freiraum dazu ist wiederzukommen.

Ab April wird es auch in Hyderabad ziemlich heiß werden. Es wurde uns bereits prophezeit, dass wir diese Stadt spätestens dann hassen würden, stiege die Temperatur tagsüber über 40 Grad. Dann sollen wir schnell das Weite suchen und in den Urlaub fahren, am besten in den Norden. Nepal steht schon fest, Varanasi, Kalkutta und Delhi sind bisher nur Wunschziele und doch weiß ich nicht, wo ich all diese Termine noch einstreuen soll, obwohl es so scheint, als sei noch massig Zeit, bis zum Abflug.

So viel möchte ich noch machen, würde sehr gerne ins Bergdorf, hätte aber gleichzeitig auch Lust mit den Freiwilligen aus Hyderabad, wir haben uns liebevoll „Heidis“ genannt, etwas zu unternehmen. Ich würde gerne reisen, oder  einfach im Alltag des normalen Arbeitstags leben.

Vielleicht ist ein Jahr für mich doch etwas zu kurz, da bei mir gut und gerne drei Monate für die Eingewöhnungszeit draufgingen, auch wenn ich damals glaubte bereits voll integriert zu sein. Vielleicht ist Hyderabad wirklich schon zu meiner zweiten Heimat geworden..

 

Dallapalli wird nichtsdestotrotz eine gute Möglichkeit sein eine neue Phase einzuleiten, die ich auch brauche. Auszubrechen aus dem momentanen Trott, auch wenn ich diesen gerade ziemlich nett finde, wird gut tun. Dieser Trott in dem ich mich befinde, birgt wenig Möglichkeiten der gemütlichen Konfortzone zu entrinnen, in der ich mich momentan wiege und ist es nicht gerade dieses Ausbrechen was uns auf Abenteuer schickt?


 

Zwei Stunden nach dem letzten Absatz:

Gerade haben wir die Info bekommen, dass Toni und ich geteilt werden. Ich gehe nach Dallapalli, Toni nach Poolabanda. Gayathri, unsere einzige Quelle für´s Dolmetschen, ist nicht da, ebenso wie Shabu, eine Mitarbeiterin mit halbwegs guten englischen Kenntnissen.

Im Endeffekt werde ich allein mit Bonji und einem weiteren indischen Mädchen sein. Beide sind im Englischen eher schwer zu verstehen. Wirklich gute, informative Gespräche werden wohl nicht zustande kommen. Und wie erkläre ich ihnen, was ich machen will, warum kommt diese Neuigkeit schon wieder so spontan und kann ich mögliche zwei Wochen ohne Toni und guten Gesprächen klarkommen? Ich fürchte, dass diese Reise wirklich ein anstrengendes Abenteuer wird…