Varanasi – Stadt des Lebens und des Todes

Ich saß im Zug, während die Welt draußen nach und nach, im Rosarot des Sonnenuntergangs, zu Schlieren verschwamm. Das große Ungetüm rauschte tutend und krächzend und schmauchend an hinduistischen Göttertempeln und Reisfeldern vorbei und bahnte sich zielstrebig seinen Weg durch den indischen Subkontinent.

Eingekeilt zwischen Koffern und Menschen hockte ich da, im Zwielicht des langsam einschlafenden Abteils.

Auf jeder engen Pritsche drängten sich mindestens zwei Menschen zusammen, verschmolzen im Schlaf ineinander und schnarchten. Die Züge des indischen Nordens seien stets etwas überfüllt, so wurde mir mitgeteilt, als auch ich in den Konflikt kam keine eigene Liege für mich alleine gestellt zu bekommen. Ich hatte einzig einen Sitzplatz, den man in Kombination mit dem gegenüberliegenden Platz zu einer Liege konstruieren konnte.

Mir schien, dass jedes Abteil dieses Zuges gen Norden gänzlich überbucht war. Auf jede Einzelliege kamen zwei bis drei Menschen und in Gängen tummelten sich zudem noch jene, die ohne Buchung versuchten sich durchs Land zu schmuggeln.

„Willst du was essen? Hier, ich habe viel zu viel für mich mitgenommen. Das reicht für zwei Leute.“ Ein Mann namens Ganesh, mit dem ich mir wohl oder übel meinen Schlafplatz teilen wurde, reichte mir ein frisch zubereitetes Roti und stellte eine kleine Tupperdose mit Curry in unsere Mitte. Schon am Vormittag hatte ich von einer anderen Familie Essen geschenkt bekommen, die sich richtig darüber freuten, als ich es für gut befand.

Jene Leute, die ganze Tagesrationen voller Essen mit in den Zug bringen, scheinen grundsätzlich darauf zu warten, dass irgendjemand kommt, den sie versorgen können. Vielleicht ist es eine unbewusste Gastfreundschaft, die einem dazu verleitet prinzipiell mehr Essen mitzunehmen, als das man selbst essen kann.

„Gerne“, sagte ich und kaute bedächtig auf meinem Essen herum, bestrebt nur nicht zu gierig zu wirken. Es war schließlich nicht meins, doch Ganesh forderte mich regelrecht auf mehr zu essen.

„Es ist nicht gut, das Essen meiner Frau?“

„Nein, es ist fantastisch“, stellte ich fröhlich fest und nahm mir ein zweites Roti.


Varanasi, die heiligste Stadt Indiens, sollte dieses Mal mein Ziel sein und um ein allerletztes Mal, bevor all meine Reisen zu Ende sein würden, das Abenteuer zu spüren, zu erleben, entschied ich mich dazu von Hyderabad aus mit dem Zug ins ehemalige Benares, so nannten die ehemalig britischen Besatzer dieser Stadt, zu fahren. 29 Stunden sollte die Reise dauern. Ich stieg am Sonntag um zehn Uhr morgens in den Wagon und würde am Montagnachmittag mein Ziel erreichen. Erstaunlicherweise verging der Sonntag relativ gut, kaum Langeweile trat auf, hatte ich mir genug Netflix-Serien heruntergeladen. Zudem lernte ich in dieser Zeit meine Begleiter kennen, zwei kleine Familien, wovon jedoch nur ein 14 jähriges Mädchen Englisch sprach und so alles, was zwischen mir und ihr besprochen wurde, lautstark auf Hindi dem Rest mitteilte, der begeistert mit dem Kopf wackelte.

Zu dieser Zeit gestattete man mir noch ganz alleine eine obere Liege in Beschlag zu nehmen, währenddessen sich vier Leute auf einem Platz drängten, aber mir mit Hand und Fuß versicherten, dass das schon okay sei. Ich sollte mich ruhig ausruhen.

Doch gegen Abend, als Ganesh, der besser Englisch sprechen konnte, als das Mädchen, zustieg und feststellte, dass ich eben nicht im Besitz dieser Liege war, wendete sich das Blatt. Von nun an saß ich auf meinen rechtmäßigen, sehr kleinen Platz, währenddessen die anderen sich auf den beiden oberen Liegen ausbreiteten.

Erstaunlicherweise erwies sich Ganesh als angenehmer Schlafpartner, verstanden wir uns direkt, besonders nachdem ich mit ihm sein Essen geteilt hatte und so war es plötzlich kein Problem mehr zu zweit auf einem Schlafplatz zu liegen, der nur 40 Zentimeter breit und 1,70m lang war. Irgendwie schlief ich, die Füße des Inders nur wenige Zentimeter von meinem Gesicht entfernt, ein und erwachte gut ausgeruht beim ersten „Koffee-Chai“-Ruf der Teeverkäufer, am nächsten Morgen. Die restlichen 10 Stunden im Varanasi-Express vertrug ich bei Weitem nicht mehr so gelassen, wie vorher. Je weiter wir auf die heilige Pilgerstadt Kurs nahmen, desto heißer wurde es, immer mehr Leute stiegen zu, doch wenige verließen das Abteil. Bald besaß ich kaum mehr als 30 Zentimeter Platz und spätestens ab diesen Punkt machte das Schauen meiner Lieblingsserien auch keinen Spaß mehr. Nun war der Zeitpunkt gekommen, wo um mich herum zu viele Menschen waren und ich mich immer unwohler fühlte, gemustert von allen.

Glücklich stolperte ich schließlich auf das Bahnhofsgelände Varanasis und war froh darüber auf dem Rückweg nach Hyderabad zu fliegen. Das würde mich insgesamt nur drei Stunden kosten…



Der Wind dreht sich und plötzlich stehst du inmitten einer Wolke aus Rauch und Asche. Du trägst die Toten in den Haaren, auf der Haut, in der Nase, im Mund, in der Lunge, auf den Kleidern. Und doch stehst du da und akzeptierst es als Tatsache eine anderen Kultur. Vielleicht ist es ja auch besser, als den Körper von Würmern zerfressen zu lassen? Ich weiß es nicht. Letzten Endes spielt es keine Rolle mehr, denn am Ende die Toten genau das: Tot

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Ich stehe vor den brennenden Scheiterhaufen, des größten Verbrennungs-Ghat der Stadt, mein Blick ist seltsam geschärft, trotz des Rauches, der in meine Richtung zieht und meine Augen voll Tränen füllt. Es riecht nach verbranntem Fleisch und ja, es mag makaber klingen, aber hätte ich nicht das Bild flackernder Leichen, gehüllt in weiße Tücher, vor mir, könnte man glauben, beim Barbecue ein würziges Steak etwas zu lange gegrillt zu haben.

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Währenddessen vor mir, die Toten ihre letzte Ruhe finden, ziehen neben mir die Wasser des Ganges ihre Wege, dem größten und heiligstem Fluss Indiens. Dort liegt er nun, eines der Wahrzeichen des Subkontinents und erstreckt sich bis weit in die Ferne und verschwindet am Horizont. Die Asche der Toten weht über dessen Oberfläche, währenddessen an anderen Stellen indische Pilger in dessen Fluten steigen und wie neugeboren wieder herauskommen. Geheiligt als Göttin, als Mother Ganga, verehren die Inder ihre Fluss, wie keinen Zweiten. Laut Mythos ist Ganga die Tochter der Personifizierung des Himalaya-Gebirges und wird in etlichen Geschichten und Mythen gepriesen. Trotz der Klassifizierung zum Gott, wird der Ganges nicht gerade wohltuend behandelt, gilt er als einer der schmutzigsten Flüsse der Welt. Die Belastung durch Kolibakterien ist 2000-mal höher als in Indien erlaubt, werden Fäkalien, Leichen, Müll und Chemikalien dort entsorgt.

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Boote in allen Größen und Farben paddeln entlang der steilen heiligen Treppenstufen der Pilgerstadt, wo heilige Männer, Babas und Sadhus vorbeilaufende Touristen heiligen und preisen. Sie zeichnen ihnen das dritte Auge, mittels roter Pulverfarbe auf die Stirn und stimmen Gebete an, die dem Gott aller Götter, Shiva, bestimmt sein sollen. Shiva, der Glücksverheißende und bezeichnet als höchste Manifestation des Einen, taucht in Varanasi überall auf, gilt er als Schutzpatron der Stadt. Nicht umsonst wird sie auch als „City of Shiva“ bezeichnet.

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Varanasi – Stadt des Todes und des Lebens. An einer Stelle finden die Toten ihre letzte Ruhe und kaum fünfzig Meter entfernt, wird laut Musik gespielt, getanzt und sich von allen Sünden seines bisherigen Lebens befreit. Auf eine merkwürdig spirituelle Weise, die zum Nachdenken anregt, besitzt die Stadt ihren ganz eigenen Charme, der absolut einmalig ist.

Trotzdem ist sie auch hässlich und eklig. Nirgends wird man einen Ort finden, der so voller Kühe und Wasserbüffel ist. Diese tragen einiges zum Gestank in den Straßen bei, stinken ihre Ausscheidungen so sehr, dass man sich fragen mag, was für schreckliche Dinge die Tiere wohl gefressen haben müssen. Nicht umsonst sehen wir im Ganges aufgedunsene Tier,- und Menschenleichen schwimmen.

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Die eigentliche Stadt ist mehr oder minder kaum erwähnenswert, hat sie im Grunde alle schlechten Ähnlichkeiten zu allen anderen Metropolen und Orten Indiens in sich vereint. Hier ist es dreckig, laut und es stinkt.

Die eigentliche Schönheit Varanasis liegt jenseits der Innenstadt, am Wasser. Kilometerweit erstrecken sich dort die heiligen Ghats, so nennt man die zum Ganges hinführenden Böschungen oder Stufungen, die meist von hinduistischen Tempeln und anderen Bauten geprägt sind. Bootsführer, Wahrsager, Jongleure, Masseure, Chaiverkäufer, Juweliere und heilige Männer wuseln dort inmitten von Trauergemeinschaften, brennenden Leichen, Kühen und Touristen hin und her und versuchen ihre Waren zu verkaufen. Grundsätzlich scheint es so, als sei jeder Einheimischer von Geburt an vertraut mit dem Ruder des Bootes seines Vaters und dessen Vaters, der schon vor Jahrzehnten über die Heiligen Wasser der Mother Ganga gerudert ist, kommt man keine 50 Meter weit, ohne dass man gefragt wird, ob man denn nicht für eine Stunde gerne „Boat“ fahren, oder den nächsten Stoffladen aufsuchen möchte.

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Ja, teilweise erinnern uns, Marius, Skrollan und Toni sind auch von der Partie, die Schiffer an die schnatternden Möwen aus „Findet Nemo“ die „Meins, meins, meins“, in die Welt krähen.

In Varanasi wird anstelle dessen „Boat, Boat, Boat“, gerufen.

Je länger ich an den Ghats entlang schlendere, desto mehr wird mir bewusst, wie hart der Konkurrenzkampf zwischen den Händlern ist und wie sehr man sich bemüht an das große Geld zu kommen.

Ein Mann erklärt mir, als ich zu einem der größten „Burning Ghats“ komme, dass er Freiwilliger sei, zuständig wäre für die Alten und Kranken, die extra nach Varanasi gekommen sind, um zu sterben. Er würde die Touristen lehren, wie die Kremation von statten geht, denn schließlich gilt: No burning, without learning.“

Er erzählt mir, dass tagtäglich mehr als 200 Menschen verbrannt werden. Für jeden Toten wird mehr als 120 Kilo Holz aufgestapelt, wobei die Leiche zwischen zwei Schichten von Ästen begraben wird. Die Verbrennung dauert gut drei Stunden und danach wird die Asche zusammengefegt und in den Ganges gestreut.

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Menschen aus allen Teilen Indiens würden nach Varanasi kommen, um die Asche ihrer verstorbenen Angehörigen im Ganges zu versenken.

Die Besorgung des Holzes sei dabei besonders kostspielig, sei ein Kilo bereits 15 Euro teuer. Der Freiwillige drängt mich dazu doch Geld zu spenden, zwanzig, bis dreißig Kilo wären doch sicherlich kein Problem für mich reichen Westler, doch ich zaudere. Dieses Zögern veranlasst meinen Führer darüber zu reden, wie sehr mein Karma doch steigen würde, täte ich ihm diesen Gefallen. Karma und Vergebung sind in Varanasi die Hauptdruckwörter der Händler. Man tut alles nur fürs Karma, für die heilige Familie, für ein besseres Leben und dafür Geld auszugeben sei doch geradewegs erstrebenswert. Dadurch fühlt man sich für einen kurzen Augenblick tatsächlich wie ein schlechterer Mensch, wenn man ablehnt etwas zu kaufen, so auch dieses Mal. Ich gebe dem Freiwilligen nur 200 Rupien, ca. 3 Euro, woraufhin er mich abfällig anschaut und mich fragt, ob ich meine Familie denn wirklich lieben würde, schließlich würden sich gute Taten auch auf das Verhältnis zu meinem Vater und meiner Mutter widerspiegeln.

„Ich muss mich gegenüber meiner Familie nicht beweisen. Sie lieben mich so wie bin“, sage ich nur und trotte durch den Rauch der Verbrannten davon. Dies sollte sich als richtig herausstellen, würde mir im Nachhinein gesagt werden, dass es gar keine Freiwilligen bei den Ghats gäbe. Man täte alles, lügen und betrügen, um an Geld zu gelangen. Varanasi und Agra, die Stadt des Taj Mahals, wären in der Hinsicht die größten Zentren des Betrugs.

Einen Tag später sollte ich meinen Fake-Freiwilligen wiedertreffen, ihn zwar nicht mit seinem versuchten Irreführung konfrontieren, aber mit ihm über den Sinn des Reisens und des Betens reden, war er der Meinung ich hätte zu wenige Sehenswürdigkeiten in Varanasi gesehen, die er mir jetzt, natürlich für Geld, zeigen wollte.

„Du hast so viele Tempel in dieser Stadt nicht gesehen, wie kannst du dich denn jetzt mit dieser identifizieren, oder sie gar verstehen?

„Muss ich denn alles abklappern, damit ich weiß, wie die Stadt funktioniert? Reicht es nicht, mit den Leuten zu reden, sie dabei zu beobachten was sie tun und treiben?“

„Nein. Varanasi ist eine heilige, rituelle Stadt. Besuchst du keine Tempel, wirst du auch keine Spiritualität erfahren und Shiva wird nicht bei dir sein. Du wirst weiterhin gottlos durch die Gegend laufen.“

„Für mich ist Gott, oder das Göttliche überall. Wenn es alles auf dieser Welt geschaffen hat, dann schwebt es gerade auch um uns herum. Warum kann ich nicht in einen Wald gehen und dort beten? Der ist viel schöner als ein Tempel.“

„Nein, das geht nicht. Wenn du hier beten würdest, wäre Gott beleidigt. Du trägst Schuhe. Das beschmutzt ihn. Im Tempel ziehst du diese aus und dadurch erst empfängst du Gott.“

Ab dem Zeitpunkt konnte ich ihm nichts mehr entgegensetzen, verstand ich, dass es hoffnungslos war, ihm zu erklären, dass Schuhe keineswegs gottlos sein müssen. Er redete jedoch weiter und versuchte mich vehement davon zu überzeugen, doch eine Tour mit ihm zu machen.

So schön Varanasi auch war, so sehr ging dessen wahre Spiritualität mit den Leuten verloren, die versuchten eine gefälschte Version des einzigartigen Spirits dieser Stadt zu verwirklichen, in dem sie logen, betrogen und Weltbilder verfälschten.

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Drum war ich im Endeffekt dankbar einer ehrlichen Haut zu begegnen, die ihr Geld mit Wahrsagen verdiente. Uday aus Varanasi war ein heiliger Baba, der sich darauf spezialisiert hatte aus den Händen die Zukunft zu lesen. Irgendwie schaffte er mich dazu zu überzeugen, mir meine Zukunft zu erzählen, war dabei keineswegs aufdringlich, wie der Rest und schien tatsächlich an mir interessiert zu sein.

„Es gibt so viel Betrug in dieser Stadt, ich will mich nicht zu diesen dazu gesellen. Ich bin eine ehrliche Haut“, gestand er mir, während er mir liebevoll den Kopf tätschelte. Er hatte einen dichten Rauschebart und man merkte ihm sein Alter bereits an, doch sein Geist war jung wie eh und je. Er wirkte wie eine Art liebenswürdiger Großvater, der bereits alles erlebt hatte, was diesseits und jenseits der Mother Ganga stattgefunden hatte.

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„Du wirst einmal 93 Jahre alt werden, lieber Leo und mit 56 Jahren, ja, da wirst du wie Mutter Theresa, oder Ghandi. Ein heiliger Mensch. Und ich sage dir, mit 24 Jahren da beginnt dein Leben erst richtig, lieber Leo.“

Wirklich viel von diesem Kokolores hielt ich nicht, doch präsentierte Uday mir so eindringlich und phantasievoll meine Zukunft, die tatsächlich gesprenkelt war, mit einem Fünkchen meiner tatsächlichen Träume und Wünsche, das ich begann ihn zu mögen.

„Kannst du eigentlich auch deine eigene Zukunft lesen?“ frage ich ihn einmal.

„Ja klar kann ich das, aber ich kann dir sagen, dass manches nicht so wirklich stimmt. Schau mal, ich habe hier beispielsweise drei Striche an der rechten Hand. Die symbolisieren drei Ehen. Das geht aber gar nicht. Ich habe ja nur eine Frau.“ Er deutete auf seine Hand.

Wir schwiegen, tranken Chai und blickten den Ganges entlang. Zusammen sollten Toni, Skrollan, Marius und ich tatsächlich es wagen in dessen heilige Fluten zu steigen und drei Mal den Kopf unter zu tauchen. Somit waren nun all unserer Sünden entledigt. Wirklich anders fühlten wir uns danach zwar nicht, aber auf jeden Fall hatten eine Sache getan, die Hindus auf der ganzen Welt wohl am liebsten erstrebten.

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„Weißt du was?! Die Zukunft ist ein Motherfucker. Viel zu viel Menschen denken an sie und vergessen im Jetzt zu leben und das ist unendlich schade. Ich verdiene zwar mein Geld mit ihr, aber lieben tue ich sie nicht. Ich weiß genau, dass du viel darüber nachdenkst, lieber Leo, aber höre auf damit. Das ist mein Rat an dich. Höre auf, über zu viel nachzudenken.“

Diese Worte hallten in mir nach, währenddessen ich zu den immer flackernden Lichter der Totenfeuer hinüberstarrte und Menschen in Booten sah, die die Asche ihrer Liebsten im Wind verfliegen ließen. Die Toten hatten ihr Lebensziel erreicht, schwebten nun ins Nirvana, für ihre ewige Ruhe. Wir Überlebenden hatten noch mehrere Leben vor uns, ehe unser Karma uns in die Unendlichkeit führen würde. Doch bis dahin, hatten wir alle unser Leben zu leben, da hatte Uday recht.

„Wir sehen uns im nächsten Leben, mein Freund“, rief Uday mir zu, als ich mich am letzten Tag meines Aufenthalts von ihm verabschiedete und davon ging.

„Das werden wir!“ rief ich zurück.